„Beratungsfehler, die mich nachdenklich stimmen“

Herr Wieser, die Finanzkrise ist gut zwei Jahre her, manche Bankkunden haben viel Geld verloren. Haben die Bankberater Fehler gemacht?

In der Krise waren viele Depots falsch aufgestellt. Es mangelte oft an Diversifikation. Da sehe ich Beratungsfehler, die mich nachdenklich stimmen.

P:  O.K…  sehe ich nicht so..

Welche Fehler in der Depotstruktur fallen Ihnen am häufigsten auf?

Nach wie vor ist die Struktur vieler Depots, die wir bei unseren Neukunden vorfinden, noch zu eindimensional. Hauptmanko: Es gibt Risikohäufungen trotz vermeintlich guter Mischung. Der Fokus ist häufig auf bestimmte Themengebiete gerichtet. Kunden haben dann Wasser- Infrastruktur- und Ökofonds im Portfolio.

P:  O.K…  sehe ich auch so.

Die Aktien in solchen Fonds sind dann häufig ähnlich?

Genau. Siemens baut Staudämme, Kraftwerke und ist in der Umwelttechnik tätig. Derartige Aktien sind in solchen Portfolios dann übermäßig stark vertreten.

P: ein sehr guter Hinweis…am Ende einer jeden Hausse…sind in fast allen Fonds die selben 20 Aktien sehr hoch gewichtet…  eine natürliche Folge des „Momentum- Plays“ und der Überzahl an Derivaten und Fonds…

Was sind weitere Patzer der Berater?

Gerade in der Krise waren viele Depots zu national investiert. In schweren Zeiten möchten Kunden häufig bekannte Aktien, deren Risiko sie zu kennen glauben. Kunden kaufen dann vor allem Dax-Werte, schaffen sich so aber ein Klumpenrisiko im Depot. Hier sind Berater gefordert und müssen gegensteuern. Außerdem ist die Auswahl von Titeln vielfach zu traditionell. Aktien, Festverzinsliche Wertpapiere und Barreserve. Das ist heutzutage zu wenig.

P: Nein, hier möchte ich widersprechen…bei jeder Baisse hat „Markowitz“ bisher versagt…

Es ist und bleibt ein „Schönwettermodell“.  Viel mehr muss man auch bereit sein bei mehr Risiken gewisse Positionen unterzugewichten..sprich Gewinne mitnehmen…genauso wie man bei mehr Chancen auch „Klumpenrisiken“ eingehen muss!

Was empfehlen Sie zusätzlich?

Rohstoffe beispielsweise. Nicht nur Gold, sondern Silber, Industriemetalle, Öl. Auch Nahrungsmittel oder Hedge Fonds fehlen häufig ganz. Währungsrisiken sind zu selten abgesichert.

P. :  Hier spricht der Verkäufer….die aufgelegten Produkte um Die „Assets“ abzudecken, sind wieder üppig kalkuliert…Der Leser mag sich selbst beantworten..zu wessen Gunsten^^

Wer trägt die Schuld an der mangelnden Balance?

Ich will jetzt keinen Schwarzen Peter verteilen. Es gibt diverse Gründe. Sicher hat aber die Finanzindustrie als Ganzes manchen Trend zu sehr ausdifferenziert. Und letztlich steht und fällt der Anlageerfolg mit der Beratungsqualität. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

mein Grinsen wird größer...

Viele Bankberater klagen über hohe Zielvorgaben und wenig Zeit.

Wer den Kunden ein nach Ländern und Produktgruppen ausbalanciertes Portfolio nahebringen möchte, braucht viel Zeit für die Vermittlung. Die Voraussetzungen haben nicht alle Berater und nicht jedes Institut konnte hier nach der Krise grundlegend umsteuern. Und es gehört auch Mut und Wissen dazu, unbekannte Titel zu empfehlen.

Richtig….Mut und Wissen…und Unabhängigkeit von Provisions- und Umsatzvorgaben..

Woran mangelt es noch?

In einigen Fällen haben Bankberater ein gutes Produktwissen, aber zu wenig Kenntnis darüber, wie die Finanzmärkte zusammenwirken.

Wie auch ?…Sie werden in NLP, Produktverkauf und Zielvorgaben geschult…..und in der Schule haben Sie maximal den „Dreisatz“ gelernt…und an der Uni….lernen Sie lustige  lineare mathematische Modelle…

die immer so beginnen:  Wir nehmen mal an…

Liegt das am Arbeitgeber?

Das hat vermutlich mehrere Ursachen. An guten Schulungsmöglichkeiten mangelt es nicht.

Hihi..

Warum ist eine ausgewogene Risikostruktur in einem Depot so wichtig? Die vergangene Krise hat doch gezeigt, dass alle Investmentklassen gleichzeitig an Wert verloren haben.

Eine Risikoverteilung nach Markowitz ist nicht grundsätzlich falsch. Seine Annahmen basieren aber auf funktionierenden Kapitalmärkten mit rational handelnden Investoren. Die Theorie geht dann nicht auf, wenn Panik wie nach der Lehmann-Pleite herrscht. Für kleine und mittlere Vermögen kann schon eine Aufteilung unter weniger als 30 Papieren Rendite und Risikotoleranz in ein ausgewogenes Verhältnis setzen.

Danke…nur das hat dann nichts mehr mit „Markowitz“ zu tun….

Welche Lehren ziehen sie für einzelne Produktgattungen aus der Krise?

Bei Zertifikaten muss immer die Solvenz des Emittenten geprüft werden und es dürfen nur absolut verständliche Varianten empfohlen werden. Bei Fonds sollte man nicht jedem modernem Thema hinterherlaufen sondern auch auf Länder beziehungsweise Branchen setzen und nur auf ausgewählte Trends.

so,so….oder am Ende des Geldes sind immer noch zuviele unterbewertete Unternehmen da...

Einige Produktklassen, die vor der Krise noch als sicher galten, zeigen jetzt schwere Schieflagen. Zum Beispiel offene Immobilienfonds.

Viele Produkte sind heute kritischer als vor der Krise zu sehen. Kaum ein Berater hätte ernsthaft geglaubt, dass so viele Fonds schließen müssen und derart niedrige Renditen erwirtschaften. Trotzdem sind jetzt nicht alle offenen Immobilienfonds schlecht. Die Qualitätsanalyse der Produkte wird in dem Segment wichtiger.

hmm…rechne immer mit Illiquidität…dann  empfiehlt man sowas grundsätzlich nicht...

Gilt das auch für Zinspapiere?

Ja, vor allem bei Geldmarktfonds. Solche Produkte dürfen definitiv keine Verluste ausweisen. Bei Staatsanleihen ist die Qualität des Schuldners aktuell absolut entscheidend.

und als Ergänzug…Es sind Schuldversprechen…eine Forderung gegen eine Institution…und damit potenziell bei Inflation nicht der Bringer…( auch wenn dies noch dauert)…oder bei einem Währungsschnitt…ein großes Fragezeichen….

zudem möge mann sich einmal überlegen, dass die Anleihekurse..max. auf ein Renditeniveau von null fallen können…d.h. richtige Kursgewinne wird es hier nicht mehr geben…also muss man hier für den gewichteten Teil des Depots max . real von einer Rendite um 0 ausgehen.

Sprich nominaler Kapitalerhalt wird nur in einem leicht deflationären Szenario möglich sein…


Ist das attraktiv ?

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