Das Inflationsgespenst – und die These „zuviel Angebot“ senkt den Preis !


Inflation (von lat.: „das Sich-Aufblasen; das Aufschwellen“) bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre einen andauernden, „signifikanten“ Anstieg des Preisniveaus. Es verändert sich also das Austauschverhältnis von Geldmenge zu „Gütermenge“ – pro Gütereinheit existieren nun mehr Geldeinheiten. Als Folge muss für die Güter nun mehr Geld gezahlt werden, das heißt sie werden teurer. Daher versteht man unter Inflation allgemein auch eine Geldentwertung.

So die klassische Definition…

wie immer ohne Berücksichtigung der Kapitalmärkte und der Währungsbeziehungen. Als ein Indikator für die langfristige Inflationserwartung wird der Zins für Anleihen herangezogen, sowohl die Notenbanken nutzen diesen als Indikation – und für Staaten ist dieser „immens wichtig“, um die Staats-Schulden zu prolongieren bzw. die Neuverschuldung am Markt platzieren zu können.

Hierbei fungieren mittlerweile die Futures als Hauptindikation, welche sich rechnerisch an der 10 –jährigen Erwartungsrendite für AAA- Anleihen orientieren. 

Ein Euro-Bund-Future ist ein Terminkontrakt auf eine fiktive Schuldverschreibung der Bundesrepublik Deutschland mit zehnjähriger Laufzeit und einem Kupon von 6 Prozent. Der Nominalwert eines Kontraktes beträgt EUR 100.000.

Der Barwert des Bund-Future errechnet sich so: 100*1.06^(-10)+6*(1-1/(1+0.6e-1)^10)/(0.6e-1) da kommt 100 raus, wenn der Marktzins 6% ist.

Um auf einen Barwert von 131,69 zu kommen, muß der Markt( den  Zins)  so manipulieren, dass die Formel so aussieht:

100*1.024^(-10)+6*(1-1/(1+0.24e-1)^10)/(0.24e-1), also ein Zins von ~2,4%, da kommt ein Barwert von 131.6708642 raus.

Zufällig ist das auch ungefähr der Zins, den die BuBa für die 10jähirgen Bunds ausweist: http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?…

Niedriger Zins bedeutet niedrige Inflationserwartung. So die historische – und aus meiner Sicht – auch eine empirische Wahrheit.

Ungefähr zumindest, denn nicht alle, die Staatsanleihen kaufen, denken so weit.

Es haben noch immer viele Anleger einfach nur Angst und sind froh, wenigstens den Nominalwert ihres Vermögens halbwegs sicher erhalten zu können, nachdem sie in den letzten Jahren am Aktienmarkt und bei vielen Immobilieninvestments und derivaten Anleihekonstruktionen rasiert wurden.

Doch der Markt erwartet in den nächsten 10 Jahren  nahezu Null Inflation.

Es gibt übrigens auch Kontrakte für kürzere Laufzeiten:

den Bobl-Future für 5jährige und den Schatz-Future für ~2jährige.

Aber das Bild ist hier wie da jämmerlich – für 2jährige gibt es nicht mal 1%.

Ob wir je wieder Zinsen von 12% haben werden, wie Anfang der 80er?

Der Kapitalmarkt ist auch nur ein Markt,  welcher mittelfristig durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Hohe Zinsen gibt es  nur bei Mangel. Wenn wir so wie heute im Geld regelrecht ersaufen, dann gibt es auch niemanden, der bereit ist, dafür einen hohen Preis zu zahlen und die Nachfragelücken .. werden  durch die „Anleihekaufprogramme „ der Notenbanken geschlossen.

Ich habe in vorherigen Aufsätzen auf den banalen Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und „dem Preis für Geld“ hingewiesen, also dem Anleihezins.

Aufgrund der „fristenkongruenten Rückdeckung „ und den regulatorischen Vorschriften des Nadelöhrs „Bankwesen“ wird so auch der Kreditzins – jeweils über eine „Zeitachsenverschiebung“ direkt beeinflusst.

Und wer in der Wirtschafts-Historie sucht findet Zeiten in denen war Inflation kein Thema…

Welche Fragen kommen regelmäßig aus der Ecke der Goldstandardverfechter und der Weltuntergangs-herbeibeter ?

Wenn ich richtig informiert bin, dann haben die USA bereits die Geldmenge im Umlauf um Einiges erhöht, also ist dort genau der Effekt mit „mehr“ Geld auf dem Markt bereits Realität. Damit einher geht sofort die Entwertung des Geldes und damit Inflation !

Nicht zwingend. Die Monetaristen ( welche seit 40 Jahren das Bild bestimmen) vernachlässigen die Psychologie. Das Verbrennen der Anlage- Generationen. Das verlorene Vertrauen wird er zurückkehren, wenn der Schock von 2008 auch mental überwunden ist.

Noch unter Bush jr. wurde in den USA ein einmaliger Einkommenssteuerrabatt an die Bürger mittels Barscheck ausgeschüttet. Die Leute haben die zusätzliche Kohle großteils gespart. Inflationseffekte gab es nahezu keine…

Ebenso sitzen heute die Banken auf einen enormen Berg Liquidität, aber es werden kaum mehr Kredite vergeben, eher weniger. Und die Sparquote hat sich in den letzten 2 Jahren stark erhöht.

Geldmenge darf außerdem nicht mit Vermögen verwechselt werden. Die Geldmenge ist zwar stark gestiegen, aber der Durchschnittsamerikaner ist ärmer geworden: sinkende Hauspreise und sinkende Aktienkurse treffen sowohl den Mittelstand (Häuser) als auch die Reichen (Aktien).

Die FED ist momentan recht hilflos. Zusätzliches Geld fällt in die Liquiditätsfalle. Das war mal ein theoretisches Konstrukt, das sich dann zuerst in Japan materialisiert hat und jetzt die USA befallen hat. Trotz stark steigender Geldmenge gab es in Japan über 10 Jahre Deflation. Dies muss in USA verhindert werden…daher auch die Überlegungen teilweise direkt – ohne Bankwesen- zu stimulieren.

Wenn eine steigende Inflation in den USA losbricht, wird  das gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit haben?

unwahrscheinlich, Stichwort: Decoupling/Globalisierung:

Die USA werden immer unwichtiger. 300 Mio. Amerikaner sind ein gewichtiger Faktor, aber 1,3 Mrd. Chinesen, 1 Mrd. Inder und 500 Mio. Europäer lösen die Dominanz der Amerikaner langsam ab. Dazu kommt noch das aufstrebende Südamerika, allen voran Brasilien. Und Russland, sowie Indonesien…  die haben auch 200 Mio. Einwohner……

Zwar trifft es in D aktuell nicht zu, aber in Anbetracht der riesigen Staatsverschuldung hier in Deutschland durchaus vorstellbar, und vom Staat als billiges Entschuldungsmittel gewollt !

Die Staatsverschuldung ist nahezu ein Null-Thema. Zumindest auf der aktuellen Höhe. Die kann man unendlich rollen. Japan hat >200% und es kümmert keinen – da ist noch viel Luft.
Verschuldung des einen ist außerdem immer die Vermögensposition des anderen. Es wird schon irgendwann mal zu einem CUT  kommen.

So what? Ist nichts anderes als eine einmalige Steuerzahlung. Wer heute Bunds zeichnet, der tut das gleiche wie ein Steuerzahler:

er gibt sein Geld dem Staat. Beim Anleihenkauf hofft er, daß er irgendwann mal die Kohle zurückbekommt. Aber wenn nicht? Dann halt nicht.

Mit Währungsschnitten hat D ja mit die größte historische Erfahrung. Mein Persönlicher Tipp ist es ja.. dass wir eine globale Einheitswährung bekommen…und sich die „bonitätstechnischen Unterschiede der Regionen dann ähnlich wie in diesem Jahr zu beobachten über den Markt regulieren….also schlechte Regionen wie „Griechenland“ müssen eben dann 5 % oder auch 12 %  Refinanzierungsgebühren bezahlen… …doch das findet man auch heute noch…

Jamaika zahlt z.B. knapp 10 % …..hier ist sozusagen ein Rückzahlungsausfall von 40 % eingepreist.

Dr. Doom sieht den Dollar auf null fallen ?

Ja….rechnerisch möglich…. in 400 Mio. Jahren wird die Sonne auch zum roten Riesen …

Aktuell hat der Dollar seit seiner Einführung meines Wissens sowieso nur noch 10 % seiner ursprünglichen Ausgangsberechnung..

What is a cynic? A man who knows the price of everything and the value of nothing.“ – Oscar Wilde, Lady Windermere’s Fan, 1892.

Geld bzw. Währung misst das tagtägliche Austauschverhältnis…morgen heißt das Kind eben  anders…


3 Gedanken zu „Das Inflationsgespenst – und die These „zuviel Angebot“ senkt den Preis !“

  1. Sehr geehrter Hr. Paul,

    ich habe bisher zwei kürzere Aufsätze, die sich mit deflationären – und inflationären Szenarien beschäftigen gelesen.

    Der eine steht in Marc Fabers Buch „Zukunftsmarkt Asien“ („Die Lehre von der Inflation“) und beschäftigt sich mit der Hyperinflation in den 80ern in Lateinamerika speziell Argentinien (Inflationsschübe von bis zu 600 % jährlich). Dr. Doom beschreibt hier die Chancen und Risiken, die durch massive Unterbewertungen auch des Aktienmarktes dann dadurch entstehen. Bis zu einem bestimmten Niveau gilt Inflation ja als eher förderlich für Aktienanlagen (Sachwertcharakter) doch kippt dies bei massiv hoher Inflation wie es in Argentinien der Fall war.

    Die zweite Behandlung steht in dem Buch „Der Crash kommt“ von Max Otte.
    Hier wird ein deflationär inflationäres Szenario beschrieben, ganz so als ob zur einer längeren Deflation regelmäßige Inflationsschübe dazugehören und ein Konjunkturmuster bilden. Warum dies so sein soll wurde dort jedoch nicht erklärt.

    Ich frage mich, wie man ein solches von Otte beschriebene Konjunkturphase erkennen kann?

    In den 60er bis 80er Jahren gab es ja eine lange deflationäre Phase (ca. 13. Jahre).

    MFG
    Bernd Handik

    1. nun…wenn mann die Phasen untersucht..dann ist für tendenziell deflationäre Phasen vor Allem der Refinanzierungszins für die Realwirtschaft im Verhältnis sehr niedrig…
      siehe Japan…
      und seit 2004 der Rest der gesättigten VW…
      auffällig ist zudem das „die Inflationsschübe“ in der Regel administrativ sind..also von Staatsseite verursacht ( Gebühren, Steuererhöhungen etc.) zzgl. über die Rohstoffe..(2006 – 2008)

      und als dritter Punkt: ..eine Bilanzrezession..

      nach 62 ( Kuba-Krise und Crash)..gab es ein ähnliches Problem wie heute.. eine Bilanzrezession…
      diese wurde 74/75 durch Stagflation ausgelöst durch den „Ölpreisschock“ abgelöst.

      VG

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