Der Klassifizierungs- und Normierungswahn…Psycho- und Statistiktricks!

07. November 2010 ( cogito-paul.de)

Die FAZ hat ein Thema aufgegriffen, welches diese Woche die Runde machte.

So wurde Anfang der Woche bekannt , das eine große Sparkasse, die Haspa ihre Kunden nach folgendem Test einteilt und entsprechende „Gesprächsführungsratschläge“ an ihr Verkäufer ( landläufig immer noch Berater genannt) generiert.

Ich habe den Test mal gemacht und- bewusst- die durchsichtigen Fragen so beantwortet, dass normalerwiese für den „empirischen Entwickler“ nichts dabei rum kommt.

Hat geklappt, ich wurde als “ der Tolerante “ klassifiziert, zu dem es keine Empfehlung gibt.

Auch wenn das Institut mittlerweile heftig zurückgerudert ist und der „Aufschrei der Empörung“ der Verbraucherschützerer und Datenschützer  im Rauschen des Blätterwaldes bald wieder verschwunden sein wird, so ist dieser kleiner Test eine interessante Übung für jeden Bürger.

Denn die Erstellung von Kundenprofilen aller Art in dieser Gesellschaft wird sicher nicht aufhören.

Man denke nur an die „Scoring“ – Freaks hier seien vor Allem

die Schufa, Creditreform und Infoscore genannt, welche sich auf Kreditwürdigkeit spezialisiert haben, mit ebensolchen fragwürdigen empirischem Methoden, denn auch hier ergibt die „Asynchronität der Information“ einen erheblichen „Wettbewerbsnachteil“ zu Ungunsten des Bürgers.

Der gläserne Mensch

Die Schufa sowie andere Auskunfteien speichern auch Positivdaten, d. h. Daten, die nicht mit ausstehenden Zahlungen zusammenhängen, obwohl das die Erlaubnis der jeweiligen Personen erfordert. Inzwischen kann von allen registrierten Personen, sprich allen erwachsenen Personen der BRD, ein Profil erstellt werden. DatenschützerInnen warnen vor der Realisierung des „gläsernen Menschen“.

Erpressung

Partnerunternehmen der Schufa erpressen ihre KundInnen mit der Drohung einer Meldung bei der Schufa, die häufig umgesetzt wird. Dann liegt es an den Betreffenden, sich um eine Löschung zu bemühen. Selbst danach ist der Ruf beschädigt und Versuche, die zuständigen Unternehmen rechtlich zur Rechenschaft zu ziehen, sind bislang erfolglos geblieben.

Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Kritik an der Schufa Holding AG: Ungesicherte Angaben zur Kreditwürdigkeit führen zum Ausschluss http://datenschutz-buergerrechte.suite101.de/article.cfm/kritik_an_der_schufa_holding_ag#ixzz14aTizrM3

Neben diesem offensichtlichen Machtmißbrauch ist auch hier die „empirische Erhebung der Daten“ kritikwürdig. Denn Sie sind linear und vergangenheitsorientiert und , um nur ein Beispiel zu nennen, auch u. U. schlicht gesellschaftsschädlich.  Es ist z.B. nicht einzusehen, was der Wohnort mit der persönlichen „Kreditstärke“ zu tun haben soll.

Die empirische Brandmarkung einer Region oder eines Stadtteils schränkt über die nichtlinearen Skaleneffekte die Entwicklung und Kaufkraft der betroffenen Gebiete ein !  Sozusagen empirischer Rufmord !

Wie kann man als Einzelner diesem entgegentreten ?

–  Man muss sich ein bisschen mit seinem Kaufverhalten beschäftigen, d.h. sich oder seine Familie, wie ein kleines Unternehmen betrachten und einmal zumindest ein Haushaltsbuch für 3 – 6 Monate führen.

– öfters mal bar bezahlen..

– größere Konsumwünsche als Privatmann grundsätzlich nur aus Eigenmitteln ( Möbel, Auto, Reisen etc..)

– bei  größeren Investitionen  über 5 k  ( Weiterbildungsmassnahmen, Immobilienerwerb, etc.)  auf die Gesamtgewichtung der laufenden Einnahmen zur „zukünftigen !“ Belastung akribisch achten !

– sich informieren, welche Informationen die Datensammler besitzen…seit diesem Jahr muss eine Eigenauskunft kostenfrei jedem Privatmann zur Verfügung gestellt werden und ggf. berichtigen lassen.

Diese Liste ist nicht vollständig .. und kann gerne ergänzt werden..

da dies auf weitere Lebensbereiche ausweitbar ist…fragen sie z.B. mal die „Rückversicherer“…oder die Schulbehörden…ihre Krankenkasse…

übrigens der Test stimmt bei mir…

ich bin tolerant, ausser gegenüber den Nichttoleranten ^^

schönen Sonntag noch…

Up

3 Gedanken zu „Der Klassifizierungs- und Normierungswahn…Psycho- und Statistiktricks!“

  1. Es ist schon traurig anstatt nach Möglichkeiten, Bedarf des Einzelnen und für die Lebenssituation angemessene Anlagestrategien zu recherchieren,
    werden die Anleger nach psychologischen Profilen und Abholpunkten abgeklopft und die Verkaufsstrategien optimiert.
    Aus meiner Sicht eine weitere Blüte der selben Pflanze der provisionsorientierten Bezahlung der „Berater“ und des oft ebenso bezahlten Finanzwesens.

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