Die Komplexität der Frau und die wirklich wichtigen Dinge des Lebens!

Warum ich heute nicht an später denken mag

von Carolyn Braun aus einem Zeit-Artikel

Eigentlich komme ich im Leben ganz gut klar. Solange es nicht um Rente, Lebensversicherungen oder Riester-Sparen geht.

Alle paar Monate habe ich dieselbe gute Idee: Ich sollte wirklich mal meine Policen suchen. Und jedes Mal denke ich mir, dass die Zeit dafür jetzt wirklich gekommen ist. Allerdings habe ich der Eingebung bis jetzt noch nie Folge geleistet.

Ich bin tatsächlich im Besitz einer Berufsunfähigkeits-, einer Kapitallebens- und einer Risikolebensversicherung. Da bin ich mir sicher, auch wenn ich nicht genau weiß, wo ich die Unterlagen hingelegt habe, damals, vor fünf Jahren, als ich in meine jetzige Wohnung eingezogen bin. Hingegen bin ich mir als mündige Bürgerin völlig darüber im Klaren, dass die gesetzliche Rente ganz sicher nicht mehr sicher ist und nicht für ein gutes Leben reichen wird.

Wie wenig ich allerdings genau bekommen werde, weiß ich nicht. Schon gar nicht weiß ich, in welcher Höhe ich wann unter welchen Umständen von meiner privaten Vorsorge profitieren werde – und nachschauen? Später! Im Moment kann ich mir also auch keinen Überblick darüber verschaffen, was ich sonst noch zur Altersvorsorge unternehmen müsste.

Was jetzt nicht den Eindruck erwecken sollte, dass ich mich mit den Vor- und Nachteilen von Riester-Renten, Fondssparplänen oder Eigenheimen intensiv auseinandergesetzt hätte und demnach nur die verlegten Policen finden und die Zahlen in meine bereits ausgetüftelte Rechnung einsetzen müsste. Die Wahrheit ist: Ich habe überhaupt keine Lust – weder auf strategische Überlegungen noch auf das im Vergleich weitaus simplere Policen-Suchen. Ich fühle mich von beidem überfordert.

Ähnlich ungläubig stehe ich Prognosen gegenüber, denen zufolge ich altern und nebenher krank und gebrechlich werden würde. Zwinge ich mich dazu, darüber nachzudenken, bekomme ich nicht nur schlechte Laune, sondern arbeite mich schnell zu einer allgemeinen Lebenskrise vor. In deren Mittelpunkt steht dann aber nicht meine finanzielle Versorgung im Alter oder Krankheitsfall. Es geht dann immer um den Sinn des Lebens und die Frage, was ich mit meiner Zeit auf Erden noch so anfangen sollte. Nach meinen Policen zu suchen ist definitiv nicht Teil der Antwort.

Ich bin damit in gar nicht so schlechter Gesellschaft. Ich kenne Menschen, die sich en détail in den Atomkompromiss eingearbeitet haben, andere, die sich wirklich intensiv mit den Stuttgart-21-Plänen auseinandersetzen, und wieder welche, die sich mit den Machtverhältnissen in jedem einzelnen lateinamerikanischen Staat haarklein auskennen. Über all diese Themen lässt sich mit ihnen engagiert diskutieren, doch geht es um die Altersvorsorge, kapitulieren alle. Absurderweise ist der einzige mir bekannte Mensch, der sich mit Energie und Verve um seine Banksparpläne und Fondsanlagen kümmert, hauptberuflich Philosoph – vielleicht stellt es für ihn ja eine angenehme Ablenkung vom tristen, eintönigen Tagesgeschäft dar?

Um mal eines klarzustellen: Ich bin eigentlich nicht doof. Auch nicht lebensfremd. Ich kann zum Beispiel eigenhändig tapezieren – das Geheimnis ist dabei, beim Einkleistern und Zusammenfalten darauf zu achten, dass die Tapetenkanten genug Leim abbekommen, und das Ganze mindestens eine Viertelstunde einwirken zu lassen. Ich bin in der Lage, Voice-over-IP-Telefone zu installieren. Und selbst meine Steuerunterlagen halte ich einigermaßen in Ordnung. Und ich bin stolz darauf, so zu sein – ostentative Unfähigkeitsbekundungen, wenn es um technische oder finanzielle Herausforderungen geht, nerven mich. Das ist meistens Faulheit, denke ich mir, Leute, die es einfach nicht probieren und sich vor der Arbeit drücken wollen….

Sicher eine subjektive  Darstellung der Generation  Golf, denn die Autorin ist in einem historischen Umfeld aufgewachsen, welche  bereits von Aussen völlig durchorganisiert wurde.

Und da ich ja kaum älter bin, ist mir diese Einstellung auch nicht fremd. Berufsbedingt muss ich mich mit diesen „Nebenprodukten“ sprich „Gedanken zur Altersvorsorge“ gepaart mit dem Konzeptmix befassen und die Erfahrung zeigt auch hier, ein optimales Ergebnis ist nur über eine strategische Prüfung und Anpassung , welches spätestens alle zwei Jahre erfolgen sollte,  erzielbar, denn „alles fließt“.

Und für die Menschen, welche keine Freude an diesen ernsten Dingen des Lebens finden, ist der Honorarberater für Finanzen wie geschaffen. Unabhängig und frei von Verkaufsinteressen bezüglich Produkten !

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