Die Tücken der Prozentrechnung

Mut zum richtigen Zeitpunkt – Verluste begrenzen ( Portfoliobezogen- nicht zwingend für Einzelassets) Gewinne laufen lassen..( mit entsprechneder Exit-Strategie- bezogen auf die Einzelkomponenten) ..

Ein Erlebnisbericht ..von Ulf Sommer (HB)

Zugegeben, der Einstieg im Oktober 2000 kam zu früh. Vor zehn Jahren begann eine große Blase zu platzen, und Aktien waren auch nach dem ersten heftigen Kursbeben zwischen Frühjahr und Herbst 2000 immer noch überteuert. Auf der anderen Seite aber übertrafen die Unternehmen, an denen ich seit zehn Jahren Anteile halte, selbst meine optimistischsten Erwartungen. Die Konzerne entwickelten sich prächtig. Sie verdienen heute im Schnitt mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Sie erwirtschaften höhere Renditen, generieren mehr Cash, sind viel niedriger verschuldet als damals und bilanzieren weit mehr Eigenkapital als im Jahr 2000. Kurzum, die Unternehmen blicken auf eines der erfolgreichsten Jahrzehnte zurück…

Firmengewinne mögen zwar langfristig ein guter und vielleicht der beste Treiber für Aktienkurse sein. Diese steigen aber nur, wenn es mehr Käufer als Verkäufer gibt. Und daran hapert es leider. Besaßen vor zehn Jahren noch 13 Millionen Deutsche Aktien oder Aktienfonds, sind es heute nur noch achteinhalb Millionen, Tendenz fallend…

Wer einmal in solche fallenden Messer gegriffen hat, weiß einzuschätzen, wie tief der Schock bei Anlegern sitzt. Doch noch mehr als diese steile Talfahrt erschüttert die ständige Berg-und-Tal-Fahrt während des gesamten Jahrzehnts das Vertrauen der Anleger. Erst fielen deutsche Aktien um 75 Prozent, dann erholten sie sich um 270 Prozent, ehe sie neuerlich um 50 Prozent einbrachen, um dann in den letzten zwölf Monaten wieder um 70 Prozent zu klettern.

Kommen Sie im Kopfrechnen noch mit? Wer beim Hoch im Frühjahr 2000 eingestiegen ist, sitzt heute auf einem Verlust von 20 Prozent. Und das in einer Dekade, in der die deutschen Konzerne ihre Renditen mehr steigerten als die meisten anderen großen globalisierten Firmen und stärker den boomenden Märkten folgten als ihre Wettbewerber.

Derartige von der Realwirtschaft losgelöste Kursschwankungen lassen sich einfach nicht mit der Idee einer sinnvollen Langfristanlage vereinbaren. So urteilen zumindest Kleinanleger, aber auch viele professionelle Investoren. Im Jahr 2002, als die Aktienmärkte immerhin schon mehr als ein Jahr lang kollabierten, waren Aktien noch für 39 Prozent der 15- bis 25-Jährigen „in“. Heute findet das nur noch eine winzige Minderheit von zwölf Prozent, ermittelten kürzlich die Jugendforscher in einer Shell-Studie…

Gibt es trotz dieser Verwerfungen so etwas wie einen langfristigen Trend? Der amerikanische Wirtschaftsprofessor Robert Shiller hat dazu die wohl umfangreichsten Studien geleistet – mit erstaunlichen Ergebnissen. Für einen Zeitraum von 130 Jahren stellte er die Unternehmensgewinne in Relation zum jeweiligen Marktwert der Firma. Das Ergebnis: Nach dieser Berechnung bewegten sich die Bewertungen relativ konstant in engen Spannen. Nur vier Mal brachen sie deutlich nach oben aus, so dass Aktien also krass überbewertet waren: 1901, 1929, 1966 und 2000.

Soweit die Rückschau…der gesamte Artikel ist lesenswert, da er letztendlich auch einen Querschnitt über die Tauglichkeit verschiedener Strategien im langfristigen Kontext gibt.

Weshalb die Börsenweisheit „begrenze deine Verluste “ ihre gnadenlose Berechtigung hat zeigt folgende Tabelle:

Verliere ich 10 %, dann muss ich nicht nur 10 % wieder gewinnen, um den Verlust auszugleichen, sondern tatsächlich 11 %. Ein Verlust verringert die Vermögensbasis. Je höher der Verlust, desto schwieriger ist es, ihn auszugleichen. Der zum Ausgleich erforderliche Gewinn steigt exponentiell an.

Siehe Tabelle

Verlust
Zum Ausgleich
erforderlicher Gewinn
-10 %
+11 %
-20 %
+25 %
-30 %
+43 %
-40 %
+67 %
-50 %
+100 %
Der Dax verlor vom Hoch 2007 bis zum
Tief 2009 ganze 55 % an Wert.
Seither konnte er sich um 70 % erholen.

Zum vollständigen Verlustausgleich

sind unglaubliche 121 % erforderlich.

-60 %
+150 %
-70 %
+233 %
-80 %
+400 %
-90 %
+900 %
-99 %
+ 9900%

Der Spruch „überdurchschnittliche Chancen sind mit überdurchschnittlichen Risiken verbunden“ verharmlost die Auswirkungen von Verlusten. Wer sich mit der Aussicht auf überdurchschnittliche Renditen locken lässt und dann erhebliche Verluste erleidet, dessen Vermögen erholt sich kurz- und mittelfristig kaum davon. Deswegen muss man rechtzeitig glattstellen, und ggf. die Opportunitätskosten weiter steigender Assetklassen hinnehmen.

Für Entscheidung bei der Geldanlage bedeutet das: Anlagen mit hohen Wertschwankungen gehören in professionelle Hände. Hände welche auch den Mut besitzen die Fungibilität der Anlagenklassen zu nutzen!

Das Cogito-Kapitalmarktmodell ist letztendlich aus dieser Idee geboren. Kaufe „relativ günstig“ und „verkaufe „relativ teuer“…d.h. aufgrund der Konstruktion läßt es eine adjustierte Schwankungsbreite von 16 % zu…

was bedeutet..bei einem langfristigen Verkaufssignal…riskiere ich gegen die Benchmark Opportunitätskosten von ca. 8 % und umgekehrt bei einem Kaufsignal  ebenso…ein weiteres durchfallen um 8 % .

schönes Wochenende

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