German Angst Medien – heizen die schlechte Börsen-Stimmung an

Panik, Sex und Katastrophen – die Hysterie der aktuellen Medienberichterstattung

Ein Grund für die negative Stimmung in Deutschland ist noch immer der Schock über das geringe Wirtschaftswachstum im 2. Quartal. Zum Teil ist das aber eine künstlich aufgebauschte Diskussion.

So ist die deutsche Wirtschaft im 2. Quartal nur um 0,1% gewachsen. Das gilt aber auch nur dann, wenn man das Vorquartal, das 1. Quartal 2011, als Maßstab nimmt. Vergleicht man dagegen das 2. Quartal 2011 mit dem 2. Quartal 2010 (und das ist der übliche Weg), steht da plötzlich ein Wirtschaftswachstum von 2,8%. Das ist weniger als in jüngster Vergangenheit, aber für Deutschland noch immer ein sehr guter Wert.

Aktualisiert 1.9.: Statisitsches Bundesamt:

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) wieder von den Exporten: Im zweiten Quartal 2011 wurden 2,3 % mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im ersten Quartal. Im selben Zeitraum stiegen die Importe mit + 3,2 % jedoch noch kräftiger als die Exporte. Einen spürbaren Effekt hatte dabei der deutsche Ausstieg aus der Atomenergie: Strom wurde kaum noch exportiert, sondern musste – um die Nachfrage zu befriedigen – verstärkt importiert werden. Der Außenbeitrag, also die Differenz aus Exporten und Importen, wirkte sich im Vorquartalsvergleich insgesamt negativ auf das Bruttoinlandsprodukt aus (– 0,3 Prozentpunkte). Infolge des starken Anstiegs der Importe wurden aber andererseits auch vermehrt Vorräte aufgebaut (Wachstumsbeitrag zum BIP von + 0,7 Prozentpunkten). Auch die Anlageinvestitionen konnten insgesamt etwas zulegen: Insbesondere in Ausrüstungen – darunter fallen hauptsächlich Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurde mehr investiert als im Vorquartal (+ 1,7 %). Die Bauinvestitionen gingen dagegen im Berichtsquartal etwas zurück (– 0,9 %), was nach dem außergewöhnlich starken Anstieg (+ 7,0 %) zum Jahresbeginn – der allerdings zum Teil auf witterungsbedingte Nachholeffekte zurückzuführen war – nicht überraschte.

 

Die meisten Medien stürzen sich aber nur auf die 0,1%. Das klingt so schön nach Abschwung und  Krise und ergibt bessere Schlagzeilen.

So stellte  die Wirtschaftsredaktion von Spiegel Online völlig überrascht fest, dass die Steuereinnahmen im Juli 2011 um 9,9% gestiegen sind, obwohl die deutsche Wirtschaft zwischen April und Juni unerwartet stark „eingebrochen“ ist. Was für ein unsinniger Vergleich!

Das Steuerplus bezieht sich auf den Vorjahresmonat (Juli 2010), der „Wirtschaftseinbruch“ auf das Vorquartal. Wenn man die 2,8% Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal als Basis nimmt, erstaunt ein Steuerplus von knapp 10% nicht mehr sonderlich.

Hinzu kommt: Es wird erst langsam klar, warum das Wachstumstempo ab April nachgelassen hat. Aktuelle Berechnungen  des IFO- Institutes zeigen, dass der größte Einflussfaktor offensichtlich ein freiwilliger Wachstumsverzicht war.

Die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke nach der atomaren Katastrophe in Japan hat das Wachstum deutlich gebremst. Der größte Bremseffekt stammt also aus heutiger Sicht gar nicht von den Konsumenten oder den Unternehmen. Die ganze Aufregung kann sich in Luft auflösen.

UND es gibt sie doch: Positive Nachrichten

Wir leben nicht in blühenden Landschaften. Seit Jahren werte ich volkswirtschaftliche Daten aus. Die Lage ist in vielen Ländern dramatisch, doch auch nicht hoffnungslos.

Das bedeutet  dass die Welt nicht  untergeht. Die Fertigungsstätten von VW, Siemens und Daimler oder die Allianz verschwinden nicht von der Bildfläche. Währungs- und Schuldenkrisen kommen und gehen, die Wirtschaft ist aber widerstandsfähiger als es die Kritiker einsehen wollen.

Daher  auch ein paar positive Wirtschaftsmeldungen, die in anderen Medien nicht mehr veröffentlicht werden:

Im 1. Halbjahr 2011 wurde in Deutschland der Bau von 108.600 Wohnungen genehmigt.

Das entspricht einem Wachstum von fast 30%! 2010 lag das Plus bei 5,5%, 2011 wird das Wachstum zweistellig ausfallen. Der deutsche Wohnungsbau lebt wieder (und sichert viele Arbeitsplätze).

Es gibt sie tatsächlich, die neuen Arbeitsplätze in Deutschland. Im 2. Quartal hatten rund 41 Mio. Deutsche einen Job. Das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Und einige Ballungsgebiete werden von dem Cash, welcher nicht in die Aktienmärkte geht oder in die sicheren Häfen SFR oder Yen! oder Staatsanleihen ? regelrecht leergefegt. D.H. fast unbemerkt von der öffentlichen Wahrnehmung springen die Immobilienpreise zum ersten Mal seit über 15 Jahren. Auch hier geht der Trend in die richtige Richtung.

Bezahlung und Arbeitsstunden fallen zum Teil noch niedrig aus, aber der Trend geht in die richtige Richtung.

Schon mal über das Handwerk nachgedacht? Die Freiberufler ? Diese Gruppe ist in der Regel der viel gebeutelte deutsche Mittelstand. Ähnlich wie die viel gerühmten „Hidden Champions“ sind diese Gruppen blendend durch die Krise gekommen und suchen händeringend Nachfolger, Nachwuchs und Fachkräfte. Das sind keine Märchen.

Gestern wurde in einer neuen Studie Deutschland als Produktionsstandort Nr. 1 für die Automobilbranche weltweit gewürdigt, heute die niedrigste Arbeitslosenzahl im August seit 19 Jahren…davon träumen die Amis zur Zeit.

Also wo sind die Mutigen ?

13 Gedanken zu „German Angst Medien – heizen die schlechte Börsen-Stimmung an“

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  8. P.S: Nur zur Belebung:
    Im obigen Journal las ich die Auffassung eines nachweislich seit Jahren sehr erfolgreichen Hedgefondsmanagers:
    “ Entscheidend für den Anlageerfolg ist nur die rechtzeitige Erkenntnis, wohin im nächsten Zyklus das meiste Anlagekapital fliessen wird.“ Radikal, was?
    Also: Wohin wird es fliessen?

  9. Ich liebe positive Nachrichten, auch wenn ich ich mich oft kritisch äußere!
    Dennoch werde ich nie ein Zitat von ( leider )
    Heiner Geißler vergessen, der lt. ZEIT-Ausschnitt aus den 80iger Jahre des vorigen Jahrhundertes betonte:
    „Die Welt ist nicht so, wie sie ist, sondern, wie sie wahrgenommen wird.“.
    (((Inhaltsgleich Gräfin Dönhoff, Die ZEIT)))
    Quelle: „Erinnerungen an“ ….
    Was also setzt sich durch?
    Pro: Buffet kauft zu (aktuelle Wiwo), da er Marktschwächen generell für Einstiegszeitpunkte hält.
    (Allerdings immer auf 10-Jahres-Sicht.)
    Contra: PSM Müchen, die noch nie einen Cent verloren haben, und in jeder Erholungswelle den Abbau von Aktienpositionen empfehlen.
    ( s. dort …)

    Fazit:
    1. Ich freue mich über den Beitrag von Juergen und würde mich sehr (!!!)über weitere Beiträge von Lesern dieser hochgescheiten Seite freuen. — Sie dürfen mich auch regelrecht vermöbeln – macht gar nichts —
    ich suche nur den Weg zur besten Vermögensallokation.

    2. Äußert eure Meinung! Auch in einem Satz.
    Merheit prägt — s.o.

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