Glaskugeln..welche Hilfsmittel? Charttechnik, Indikatoren oder fundamentale Überlegungen?

Aus einer meiner Diskussionen in dem ein „schlauer Beobachter“ auf den langfristigen chartechnischen Widerstand bei 8000 Punkten  bei unserem Stubentiger hinwies:

> VL hat geschrieben:
>
> „Naja charttechnisch sind sowohl im Dow als auch im Dax die
> Abwärtstrends noch voll intakt. Man spricht auch von technischer
> Gegenbewegung im Abwärtstrend bei den derzeitigen Kursanstiegen. Erst
> wenn die alten Höhen überschritten werden, liegt eine Trendwende vor.“

C. L. schrieb:

> Das ist so nicht ganz korrekt. Ein Abwärtstrend kann nur unter
> Berücksichtigung des Zeithorizonts erkannt werden. Bezogen auf die
> letzten drei Monate beispielsweise besteht im DAX ein eindeutiger
> Aufwärtstrend.
>
> Es kommt also immer darauf an, welchen Zeitraum man betrachtet. Die
> Ansätze sind dann unterschiedlich.

Meine Meinung hierzu sollte mittlerweile bekannt sein…ich huldige keinem „vergangenheitsorientierten Hilfsmittel“ und in diesem Zusammenhang kommen die Zeitachsen ins Spiel:

Die  „Zeit“-achse  ist aus meiner Sicht  extrem essentiell.

Mandelbrot hat bereits in den Siebzigern Begriffe wie „schnelle Handelszeit“  bzw.  „ruhige  Handelszeit“ vorgeschlagen.

Leider wurden diese Ansätze von Black/Scholes/Merton, Sharpe, Markowitz, Ito und den sonstigen Bastlern in den Theoriediskussionen weggespült. Historisch interessant bleibt das auch der Mathematiker Mandelbrot die falschen Rückschlüsse in seinen Forschungen zog, was nähere Untersuchungen zu Tage förderten.

Doch die Idee der unterschiedlichen Handels-Zeit  der Märkte fand ich faszinierend, auch wenn es stark nach „Relativitätstheorie“ riecht.

Bringt man diese Idee in  nichtlinearer Systeme ein..so ergeben sich interessante Beobachtungen.

Daher ist für mich aktuell nicht die Frage..ob die 8000 Punkte in den nächsten 12 – 18 Monaten fallen..sondern „wie“?

Aus dem Financial Behaviour ist bekannt das solche – für jeden sichtbaren Widerstände- immer Stress machen oder in sehr seltenen Fällen .. wie es dann immer so schön heißt…pulverisiert werden.

Also wie mit so einer bekannten Information umgehen ?

weiter geht es..meine Einschätzung zum 15.12.10

Guten Morgen,

vielen Dank für die rege Diskussion.

V.L. schrieb:

@ Uwe Paul

Was verstehen Sie unter langfristig?

Offesichtlich nicht dasselbe wie es „klassisch“ gelehrt wird. Ich bin ein Kind von Kostolany, Lynch , Graham und Mandelbrot und der Zeit als in D es Derivate nur OTC gab, d.h. noch vor Gründung der Eurex.
Meine Erkenntnis ist banal: Die Märkte sind nicht mathematisch oder fundamental planbar. Daher folgt als Investor habe ich nur die Möglichkeit zu agieren ( kaufen) oder zu reagieren ( verkaufen) . d.h. die Haltedauer einer Investition wird durch dem Markt bestimmt ( zur Beurteilung greife ich auf mein Modell zurück) und die kann auch langfristg werden….mit Betonung auf „werden “
So hielt ich durchgängig 80 % (Aktienanteil) von 1990 -Juni 98 ( Absenkung auf 40 % Okt 98. wieder rauf ) Okt. 1999, von April 03 – Juni 07, und nun seit Okt-Dez. 08 bis aktuell diese Investitionsquote..seit März/April 09 95-100 % …Die 20 % sind klassisch als „Tradingkapital“ definiert.
Also der Markt bestimmt wie lange ich investiert bleibe:-)

V:L: Wie wichtig sind fundamentale Daten für den Aktienmarkt mit Blick auf langfristige Investments?

Fundamentale Daten spielen für mich nur ein Rolle wenn der Markt „fair-values“ offensichtlich in einer Überbewertung “ stark überschreitet….oder in den Worten Kostos…wenn der Hund dem Herrchen zu weit vorausgelaufen ist.

V:L: Wir leben in einer stark alternden Gesellschaft mit geburtenschwachen Jahrgängen. Damit sinkt grundsätzlich die Bevölkerungszahl und damit die Nachfrage für Güter und Dienstleistungen im Binnenmarkt. Das heißt langfristig schrumpft der Absatzmarkt in Deutschland.

Aber wir haben ja auch noch das Kaufkraftproblem. Bisher war es ja gar nicht schlecht eine alternde Bevölkerung zu haben, da ältere Menschen über mehr Vermögen und mehr Kaufkraft verfügen und desewegen auch mehr konsumieren.

Leider hat der Gesetzgeber aber die Kaufkraft älterer Menschen in Deutschland massiv beschnitten. So liegt in Deutschland tatsächlich das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei nur knapp 60 Jahren, während man die Rente ab 65 bzw. 67 Jahren beschlossen hat und auf EU Ebene bereits die 70 diskutiert wird.
Pro Kalendermonat, den man früher in Rente geht wird die Rente um 0,3% gekürzt. Das heißt der Durschnitt der Deutschen erleidet bei 5 Jahren bereits eine Kürzung von 18%, bei 7 Jahren 25,2% und bei 10 Jahren sogar 36 %. Betrifft die Masse der Arbeitnehmer.
Gleichzeitig hat der Gesetzgeber aber auch noch die Besteuerrung der Rente beschlossen. So ist in Deutschland mittlerweile im großen Stil Altersarmut vorprogrammiert und die Kaufkraft der älteren Semester ist geschrumpft.

Viele Menschen versuchen nun den Altersarmut zu entgehen, in dem man bereits vor der Rente sich privat absichert, sei es durch Lebensversicherung, Riesterrente etc. Damit wird dann aber die Kaufkraft der Arbeitnehmer beschnitten, so dass auch deren Konsum und Nachfrage sinkt.
hmm…diese Rückschlüsse basieren für mich auf einer weder empirisch noch kausal begründbaren Theorie…daher kann es natürlich so kommen..oder auch nicht…Ich zerbreche mir nicht mehr den Kopf was in 10 Jahren sein könnte…Der Nebel der Zukunft ist mir zu dick.

Bei langfristigen Anlagehorizonten von 10-20 Jahren ist daher unwahrscheinlich, dass jede Aktie in Deutschland wirklich ein Schnäppchen ist. Und durch die Wechselwirkungen im Im und Export in Europa betrifft dieser Wandel im Binnenmarkt auch die EU Nachbarn, da diese auf die deutsche Nachfrage angewiesen sind. Da viele deutsche Firmen widerum auf den Export in dei EU angewiesen sind, hallt die Problematik nach.

Für einen Laien gilt dies sicher…doch bei einem ETF oder Indexfonds bildet der Anbieter automatisch- wie sie sicher wissen- die Index- und Gewichtungsveränderungen ab. Zudem ist seit 2009 niemand mehr „gezwungen“ langfristig investiert zu bleiben. Die Kapitalertragssteuer wird nach 10 Tagen oder auch nach 10 Jahren in gleicher Höhe fällig.

V.L: Das heißt , wenn man langfristig in Aktien investiert, dann vor allem in Werte, die sehr stark im globalen Export sind und die nicht auf die heimische Binnennachfrage und den EU Markt angewiesen sind.

kann man machen ..muss man aber nicht …ich bin mit meiner Übergewichtung in dt. Werte nicht unzufrieden…natürlich steht irgendwann ein „Rebalancing“ an.

V.L.: Allerdings, wenn man denn investiert um Dividenden oder Kursgewinne zu erzielen, dann sucht man sich die Werte aus dem globalen Markt heraus , die die besten Renditechancen bei abschätzbarem Risiko bieten.

ja…sicher..passen sie auf die 5 % Wahrscheinlichkeit auf..in denen diese „Theorie“ ausgehebelt wird ( Taleb, Roubini) …oder wie Mandelbrot es beschreibt: 80 % der Verluste seit 1950 wurden in 5 % der Handelzzeit realisiert….das gilt übrigens fast vice versa…auch ca. 70- 80 % aller Gewinne ( wir nähern uns in kürzeren Zeiträumen den 80 % ) werden in solchen „Zeitclustern“ an den Märkten erzielt. Ist das eigentlich nicht ein wunderbare „Pareto-Relation“ mit erstaunlicher Symmetrie ?

und bei den restlichen 90 % der Handelzeit muss man sich vor Allem in Geduld und Disziplin üben.

mit besten Grüßen

Up

3 Gedanken zu „Glaskugeln..welche Hilfsmittel? Charttechnik, Indikatoren oder fundamentale Überlegungen?“

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  2. Wie könnte man auf die DAX 8000 reagieren?

    Darüber habe ich auch schon nachgedacht.
    Es ist schwer überhaupt irgendwelche kurzfristigen Prognosen abzugeben.
    Und auch wenn es bis zur 8000 noch einige Monate dauern kann…
    Grade die Angst vor dieser Marke dürfte sehr hoch sein. Auch wenn es irrational ist.
    Ich kann mir an dieser Marke (bis ca. 8100) einen sehr nervöse Reaktion vorstellen, zumal im Jahre 2000 und im Jahre 2007 jeweils ein Zusammenbruch der Märkte hier stattfand und das neue unentdeckte Land der Höchstkurse droht, was zusätzliche Ängste hervorruft.

    Hat man eine sehr hohe Aktienquote könnte man mit einer Teilentnahme darauf reagieren. Ich halte Zwischenkorrekturen auf 7500 für möglich. Beim ersten Mal sogar für wahrscheinlich.

    Passiert die Korrektur kann man tiefer einsteigen, passiert sie nicht könnte man den Punkt als Verschiebung des Portfolios in Richtung abgesicherte Anlageformen nutzen und den Anteil eventuell weniger volatil anlegen.

    Eine erste Korrektur halte ich für wahrscheinlich. Eine Zweite oder längere quer verlaufende Märkte eher nicht.

    Das Ganze ist jedoch rein subjektiv und jederzeit angreifbar. Ich halte auch kurzfristige Aussagen oft für sehr fragwürdig.

    Kann man eine Gewinnmitnahme als spekulatives Element nutzen, hat man eine win win Situation. Man muss ja erst reagieren wenn der Fall tatsächlich eintritt.

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