High Frequence Trading – Eine kritische Rede!

Ist es sinnvoll mehr als 50 % der Weltbörsenumsätze von Computeralghorythmen ausführen zu lassen, welche nur Arbitrage betreiben?

Warum ist die Nähe des Servers zum Börsenserver wichtiger- als die fundamentale Entwicklung der gehandelten Unternehmen?

Spam – nichts anderes?

Auch die SZ greift das Thema auf:

Auszüge aus der Rede von Dr. Nagel – Deutsche Bundesbank:

Mit dieser algorithmischen Revolution sind die Kapitalmärkte gegenwärtig an einem bedeutenden Punkt in ihrer Entwicklungsgeschichte angelangt. Etwa die Hälfte der an den wichtigsten Börsen getätigten Transaktionen in Aktien und Währungen werden nicht mehr von Menschen veranlasst, sondern sind das Produkt von Computeralgorithmen, die in der Lage sind in Bruchteilen von Sekunden große Mengen an Daten zu analysieren und Hunderte von Ordern zu initiieren. In immer größerem Maße wird der Mensch aus dem unmittelbaren Entscheidungsprozess um den Kauf oder Verkauf eines Assets herausgenommen und durch Software-Programme ersetzt. Geschwindigkeit bei der Orderausführung ist zum wichtigsten Faktor avanciert und wird mittlerweile in Milli- und Mikrosekunden gemessen. Neue Praktiken, wie beispielsweise „Colocation“ oder „Quote Stuffing“, sind zu wichtigen Mitteln im Kampf um die schnellste Orderausführung geworden. Grundlegende Daten über den Wert der jeweiligen Wertpapiere oder Währungen spielen für die meisten HFT-Algorithmen keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die Haltefristen der eingegangenen Positionen liegen beim HFT meist zwischen einigen Millisekunden bis zu mehreren Stunden. In den heutigen Hochgeschwindigkeitsmärkten liegt der Vorteil nicht mehr bei dem Investor, der den wahren Wert eines Assets besser einschätzen kann, sondern bei dem, der es am schnellsten zu handeln vermag. Daher hat sich für viele Investmenthäuser und Hedgefonds auch der Wettbewerb um Humankapital gewandelt: Ging es bis vor einigen Jahren noch vor allem darum, die talentiertesten Ökonomen anzuwerben, so liegt das Augenmerk heute oftmals darauf, die besten Programmierer und Mathematiker einzustellen.

Angesichts der Bedeutung, die HFT an den Kapitalmärkten erlangt hat, und Ereignissen wie dem „Flash Crash“ im Mai 2010 sowie der stark polarisierten Meinung zu HFT unter den Investoren müssen sich Regulierer mit der Frage befassen, welchen Einfluss der Hochfrequenzhandel auf die Funktionsweise des Marktes hat.

Dabei stellen die fortschreitende Tendenz hin zu immer schnelleren, komplexeren und miteinander verwobenen globalen Finanzmärkten die Regulierer vor ganz besondere Herausforderungen. Zukünftige Finanzkrisen und Systemstörungen, wie z.B. Flash-Crashes, können aufgrund der großen Geschwindigkeit, mit der sich Informationen an den Kapitalmärkten verbreiten, immer spontaner auftreten und werden zunehmend schwerer prognostizierbar. In traditionellen Mensch-Maschine-Systemen ist ein manueller Eingriff in Echtzeit meist noch möglich, falls unerwünschte Veränderungen im System innerhalb menschlicher Reaktionszeiten auftreten. Diese minimale Reaktionszeit von etwa 1.000 Millisekunden überschreitet jedoch die an den heutigen Handelsplätzen üblichen kritischen Zeitspannen, die immer öfter in Mikrosekunden gemessen werden, um ein Vielfaches…..

Zum einen liegt dies an den Bedingungen in der HFT-Branche. Die Branche weist ein hohes Maß an Intransparenz auf und ist nicht nur für Außenstehende, sondern auch für Regulierer teilweise schwer zu überblicken. Die wichtigen HFT-Akteure (die fünf bis sechs großen „Player“ in London) agieren bevorzugt ohne größeres öffentliches Interesse zu erwecken. Zudem ist der Bestand an kleineren HFT-Firmen recht volatil und liegt in der Regel unter der „Wahrnehmungsschwelle“ der Regulierer. Empirische Daten zu HFT-Handelsaktivitäten oder den verwendeten Algorithmen sind meist schwer zu bekommen und häufig nicht sehr aktuell oder präzise. Da eine Betrachtung einzelner Algorithmen im realen Handelsgeschehen bei der gegenwärtigen Datenlage nur selten möglich ist, versuchen die meisten Studien zu dem Thema die HFT-Aktivitäten auf einer aggregierten Ebene für ganze Indizes oder Märkte zu erfassen. Hinzu kommt, dass Analysen, die älter als ein bis zwei Jahre sind, aufgrund der rasanten Entwicklung im Hochfrequenzhandel Gefahr laufen, einen Markt zu beschreiben, den es aktuell gar nicht mehr gibt….

Schon im 16. Jahrhundert hat der Naturphilosoph Francis Bacon geschrieben, dass der wissenschaftliche Reiz an extremen Ereignissen darin liegt, dass gerade sie diese seltenen Momente darstellen, in denen komplexe Systeme einen kurzen Einblick in die wahre Natur der ihnen zugrundeliegenden treibenden Kräfte geben.

Der Flash-Crash hat in diesem Sinne gezeigt, dass die durch HFT Market Maker generierte Liquidität, die normalerweise die Transaktionskosten niedrig hält, in schwierigen Marktphasen schlagartig verschwinden kann. Im Gegensatz zu regulären menschlichen Market Markern, die auch bei sehr volatilen Kursbewegungen eine Verpflichtung haben im Markt zu bleiben, sind HFT-Akteure in der Regel nicht an solche Bestimmungen gebunden. In guten Zeiten verdrängen HFT-Händler somit die normalen Market Markern und üben deren Funktion zum Vorteil aller Marktteilnehmer oft sogar besser aus. In schwierigen Märkten droht hingegen ein Kollaps der Handelsströme mit Auswirkungen auf den gesamten Markt, wenn sich die HFT-Akteure zurückziehen. Für viele Marktteilnehmer ist die von HFT generierte Verengung der Bid/Ask-Spreads und das höhere Handelsvolumen daher lediglich eine „Scheinliquidität“. Von mehreren Seiten wurde daher vorgeschlagen, HFT Market Maker auch bei hoher Volatilität zu einem Verbleib im Markt zu verpflichten. Angelehnt ist diese Idee an die vertragliche Bindung, die normale Market Maker beispielsweise mit der Deutschen Börse eingehen. Die HFT-Market Maker sollten also anfangen, Verantwortung für die Märkte mit zu übernehmen, aus denen sie in ihrer überlegenen Stellung bislang lediglich Nutzen zogen.“

 

Das Fazit welches Dr Nagel zieht , ist diplomatisch verpackt, doch die Bewegung letzten August, welche vor Allem den Dax-Future betraf – zeigt die weiterführende Gefahr:

Bei Kumulation – wie letztes Jahr geschehen – angeblich-  unabhängiger Ereignisse- werden die Verwerfungen verstärkt !

Bei der letztlichen Frage nach dem Zusammenhang von HFT und der Effizienz des Marktes sollte bedacht werden, dass Markteffizienz vor allem bedeutet, dass der Preis eines Assets sich zeitnah an fundamentale Änderungen seines Wertes anpasst. Es ist nicht unmittelbar ersichtlich, wie HFT-Algorithmen, deren Entscheidungen nur auf den Status des Orderbuchs in den letzten Sekunden oder Indikatoren der technischen Analyse beruhen, hierzu beitragen können. Ein Block-Trade von 10.000 Aktien zwischen zwei informierten Großinvestoren stellt echte Preisfindung am Markt dar. Das blitzschnelle hundertfache „Hin- und Her-Schieben“ von 100 Aktien zwischen zwei HFT-Algorithmen ist hingegen kein äquivalenter Beitrag zur Effizienz des Handels. Vor diesem Hintergrund ist eines der wichtigsten Argumente, die für HFT vorgebracht werden, dass es meist als Quasi-Finanzintermediär agiert und hierdurch die Marktbedingungen, zu denen die normalen Investoren in einem Preisfindungsprozess interagieren, spürbar verbessert. Auch wenn dies in vielen Bereichen stimmen mag, darf doch nicht übersehen werden, dass Intermediation kein Selbstzweck ist. Die durch Finanzintermediation erzielten Gewinne sollten letzten Endes durch die Vorteile, die sie in der realen Wirtschaft generieren, gerechtfertigt werden. HFT-Strategien, wie z.B. Market Making oder News Reader, die unter einer maßvollen Regulierung eingesetzt werden, müssen sich daher stets an diesem Kriterium messen lassen. HFT kann somit durchaus einen verdienten Platz im Marktgefüge haben. Es sollte dieses Gefüge jedoch nicht belasten oder gar dominieren. Denn ein Markt, der zum überwiegenden Teil von HFT dominiert wird, ist gleichzeitig auch ein Markt, an dem die meisten Orders jegliche Verbindung zu fundamentalen Faktoren verloren haben. Und es ist dieser Zusammenhang zwischen Preis und fundamentalem Wert, der die Qualität eines Marktes ausmachen sollte.

 

Nun Gut — wie so oft muss man als Investor sich an die neuen Gegebenheiten anpassen. Da in der Regel der durchschnittliche Anleger oder auch Investmentfonds nicht die Mittel hat Computeranlagen für Millionen nur zum Zwecke der Gleichstellung der Waffen zusätzlich zu bezahlen, bzw. 20.000,- Dollar pro Millimeter Abstand zum Börsenserver monatlich zu mieten – muss eine „Gleichberechtigung“ geschaffen werden – z.B. eine Orderausführungsverzögerung von 1 Sekunde. Allein dadurch wird dieser lästige Diebstahl für die Betreiber unrentabel – oder eben pro Order 1Cent Gebühr – zu stiften zur Tilgung der Staatsschulden!

 

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