Irrsinn … 590 % Erfolgs-Rendite oder nur Augenwischerei ?

Altersvorsorge – mal anders…oder dem geschenkten Gaul…

Gemeint ist die staatliche Förderung der Altersvorsorge mittels Grundzulage und „Starterbonus“ auf dem Riesterweg.

Den Riesterweg können z. B. Auszubildende, junge Berufseinsteiger, Wehrpflichtige und Zivildienstleistende beschreiten.

Das besondere an der Riesterförderung ist, dass sie nicht nur für einen zertifizierten Banksparplan, Bausparvertrag oder als klassische Rentenversicherung möglich ist, gefördert werden auch investmentbasierte Rentenversicherungen oder reine Investmentsparpläne und seit 2009 der sog. Wohnriester.
Und so sieht die nominale Förderung aus, wie sie es in jeder Werbung bei Banken oder FDL´s finden können:

Beispiel:
Nehmen wir an, Yannik, geboren 1994, beginnt im Jahr 2010 mit seiner Berufsausbildung als Automechatroniker.

Will er die volle Riesterförderung erhalten, muss er auf seinen Riestervertrag noch im Jahr 2010 4 % seines Vorjahreseinkommens einzahlen. Da er in aller Regel im Vorjahr (2009) noch nichts verdient hat, reicht der gesetzliche Mindestbeitrag von 60 €. Hierauf bekommt er – auf Antrag – im Jahr 2011 eine Grundzulage von 154 € und, weil er noch keine 25 Jahre alt ist, einen einmaligen „Starterbonus“ von 200 € oben drauf. In Summe erhält Felix für das Startjahr 2010 eine staatliche Zulage von insgesamt 354 € in seinen Vertrag gezahlt. Bei einer Eigenleistung von 60 € macht dies eine Förderquote von 590 % (= 354 € / 60 € x 100) im Erstjahr.

Im Folgejahr (2011) entfällt zwar für Yannik der „Starterbonus“, doch die Grundzulage gibt es erneut. Hierzu muss Yannik 4 % des Vorjahreseinkommens (2010) in den Riestervertrag einzahlen. Da das Vorjahreseinkommen (2010) im geschilderten Beispiel meist weniger als 5.350 € beträgt, reichen erneut 60 € und der Staat legt 154 € dazu. Die Förderquote sinkt zwar, beträgt aber immer noch rd. 257 % (= 154 € / 60 € x 100). Übrigens, dieses Beispiel funktioniert im Normalfall auch für Abiturienten des Jahrgangs 2010, wenn sie im Jahr 2010 mit dem Zivil- oder Grundwehrdienst beginnen.

Die Eltern der Auszubildenden erhalten auf ihren Riestervertrag die Riester-Kinderzulage dennoch weiter, solange das Kindergeld gezahlt wird.

Soweit so gut, jetzt gucken wir dem Gaul doch mal in das Maul:

Grund für die pessimistische Rechnung ist ein Passus im sogenannten Altersvermögensgesetz, das die nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) benannte private Vorsorge regelt. Demnach werden alle Einkünfte, auch die aus privaten Alterssicherungssystemen, Erwerbstätigkeit und Zinsen oder Vermietung, auf die steuerfinanzierte Grundsicherung angerechnet. Das heißt konkret: Wer nach seiner Berufstätigkeit eine staatliche Rente bezieht, die unterhalb der Grundsicherung von rund 660 Euro liegt und deshalb zusätzliche Unterstützung aus den Sozialkassen erhält, muss sich seine Riester-Rente anrechnen lassen. Für den Rentner bedeutet das, dass er womöglich trotz Riesterente nicht mehr Geld in der Tasche hat, als der Nachbar, der ohne Riesterrente die Differenz zur Grundsicherung vom Staat erhält.

Das kann unter Umständen auch das Lied des jetzigen Abschließenden sein, denn wir reden hier von einem langfristigen Vertrag, welcher bei einem heute 16- jährigen mindestens44 Jahre laufen soll…

und neben der strukturellen Auswahl der Angebote…ganz sicher von Wohnriester…bis risikobehaftet bei Investmentsparplänen ist zumindest aus der LV-Branche bekannt das nach 18 Jahren aufgrund des allgemeinen Lebensrisikos 90 % aller Verträge aufgelöst oder stillgelegt sind.

Zudem gilt es zu bedenken, dass je nach Anlageprodukt empirische Kosten von bis zu 12 % im Durchschnitt pro Jahr anfallen…

und da die meisten Tarife per Gesetz  gezillmert sind…

erleben viele „Riestersparer“ in den ersten Jahren unangenehme „Kontoauszugsüberraschungen“.  d.h. sowohl die Anfangsförderung als auch der Eigenbeitrag sind per Unterschrift für den Passus „Verwaltungs- und Vertriebskosten“ auf Jahre aufgebraucht.

In unserem Beispiel wird der „Sparvertrag“ auch in der günstigsten Variante mit 140 ,- € belastet – in der üblichen mit ca. 1200,- € – dies wird auf fünf Jahre aufgeteilt  zzgl. 4 % – 8 % p.a. laufende Kosten für Verwaltung und Garantien!

Zudem stellt sich die Frage: Was kann der Riestersparer mit 14. 000,- € in 44 Jahren noch anfangen ?

Gut 30 % kann er sich auszahlen lassen..also Cash 4.200,- € …aus dem Rest bezieht er nun eine lebenslange Rente……..die auf heutiger Basis nicht kalkukierbar ist...

was auch alle Anbieter berücksichtigen…so gehen die heutigen Planungen von einer Lebenserwartung ab Bezug der Rente von mind. 105 ! Jahren aus….

das ist doch gut….oder ? Nein..das ist ihr persönlicher „Break-even“…erst ab dem 105  Jahr legt die Versicherung drauf …

Die Relation gilt übrigens unabhängig des Anstiegs des Einkommens. Denn um die 154 ,- € Grundförderung zu erhalten müssen incl. Förderung die 4 % vom Vorjahresbrutto zusammenkommen. d.h. wenn Yannik mit 25 Jahren 30.000,- Brutto verdient..steigt sein Eigenbeitrag auf 1046 ,- € jährlich.

Interessant wird es..wenn Kinder hinzukommen…doch das ist eine andere Baustelle…im Prozeß des allgemeinen Lebensrisikos…

Es gilt folgender Merksatz:

Prüfe strukturell, bevor Du dich bindest….solche Verträge sind wie eine gute Ehe…man weiß nie, wann Sie geschieden wird:-)

freundlichst

Up

2 Gedanken zu „Irrsinn … 590 % Erfolgs-Rendite oder nur Augenwischerei ?“

  1. Bei strukturierte Anlageformen liegt die Qualität einer Anlage oft im Detail konkret in den Vertragsbedingungen, was viele strukturierte Anlageformen für Anleger leider unattraktiv und schlecht durchschaubar macht.

    Bei Riester wird der Sparer durch die staatlichen Zuschüsse dazu verpflichtet sich sein angespartes Riester-Vermögen als Rente auszahlen zu lassen. Stirbt der Sparer kann der Ehepartner nur mit Sondervereinbarung noch etwas von der Rente des Partners bekommen. Auch gehen die Kinder beim Tod des Sparers leer aus, wenn die Rente bereits im Stadium der Auszahlung war. Privat angesparte Vermögen können dagegen vererbt werden und liefern den Nachkommen bei guter Anlage weiterhin eine Rente, die sich aus der jährlichen Rendite des vererbten Vermögens ergibt.

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