Rückschau – bei gesicherter Information – Aus guter Tradition Ausblick 2012

Gestern wurde das vorläufige Bip 2011 für Deutschland  gemeldet: Stolze 3,0 % sind es  geworden. Die Lohnsteigerung war auf ähnlichem Niveau, auch wenn man festhalten muss, das viele Aufträge durch Überstunden geleistet wurden oder liegt es am Fachkräftemangel –  denn der Indikator für Arbeitsangebote der BA ist im Dezember 2011 auf ein Allzeithoch gestiegen. Wer sich erinnert, bei der Prognose der fundamentalen Entwicklung 2011 liegt das Cogito-Kapitalmarktmodell ziemlich genau.

Bip 2011 sollte bei 3,2 % rauslaufen ( Die Revision steht noch an…und die Dez. Zahlen waren bärenstark) hier erwarte ich noch eine Erhöhung auf mindestens 3,2 % durch die endgültigen Zahlen. Die Zinsen sollten -günstig-  bleiben. Der Euro  um die 1,32 in seinem Band ( + – 8 %) mehr oder weniger seitlich laufen.

Die Aktienmärkte sollten als Hort der Sicherheit  (im Chance/Risiko Verhältnis) zu Anleihen und anderen Assetklassen an deutlichem Zuspruch gewinnen.

Das war nur bis in den Sommer gegeben. Eine Mischung aus Fukushima-Nachwirkung, vor Allem auf die US-Konjunktur – und die bedauerliche  Scheibchentaktik der europäischen Politiker in Bezug auf die „Schuldenkrise“ führten im August zu einer skurillen Mixtur –  aus computertechnischem Irrsinn und dem Kontrollverlust – mal wieder – einer europäischen Großbank – über einen ihrer Londoner Wild Boys.

Speziell unser Stubentiger wurde in nur 6 Handelstagen gestutzt. Mittlerweile sind wir dabei diesen Schlamassel aufzuarbeiten und  – mal sehen- vllt. setzt sich in 2012 die fundamentale Erkenntnis durch:

Ausgesuchte Aktien –  Investivkapital- sind spottbillig – im Verhältnis zu Anleihen, Gold und /oder Immobilieninvestments!

Und damit – ausgeprägtes Durchhaltevermögen –  muss  ebenfalls zu den Stärken eines Investors gehören, die fast unveränderte Prognose 2012:

An den Börsen werden Unternehmen mit den KGVs des nächsten Jahres bewertet. Diesen Kennzahlen zufolge liegt das KGV des DAX für 2012 bei etwa 10!   während das des S&P 500 bei nur 12 notiert. Demnach sind beide Indizes aktuell im Vergleich zum historischen Mittel ( Fed – Modell – Relation Anleihen/ Risikokapital) unterdurchschnittlich gepreist.

Auch das Graham-Dodd-KGV, welches den Aktienkurs durch die monatlichen Durchschnittsgewinne pro Aktie der letzten 10 Jahre dividiert, notiert für den U.S. Aktienmarkt noch immer unter dem langfristigen Durchschnitt. Attraktiv erscheinen unter diesem Gesichtspunkt auch  die Märkte Japan, Südkorea, Griechenland, Irland, Spanien und aufgepasst Afrika!

Auf exzessive Finanzierungsüberschüsse folgen Investitionen (Zitat aus 2011 Prognose)

Ein Punkt, der oftmals gegen einen weiteren Aufschwung angeführt wird, ist die sog.Kreditklemme. Hierzu wird geschrieben, dass die Kreditvergabe von Banken an Unternehmen auf historischen Tiefstständen gesunken sei, was wachstumshinderlich sei. Hier ist allerdings nicht das Kreditangebot das Problem, sondern die Kreditnachfrage. Auf Grund der Auftragseinbrüche in nahezu allen Wirtschaftsbranchen sind viele Unternehmen auf eine konservative Unternehmensfinanzierung übergegangen. Unternehmen verzichteten in jüngster Vergangenheit auf eine Kreditfinanzierung, um der Gefahr ihre Kredite innerhalb der Krise nicht bedienen zu können aus dem Weg zu gehen. Durch diese konservative Vorgehensweise kam es innerhalb der Krise zu hohen (Innen-) Finanzierungsüberschüssen sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Banken, die nun sukzessive investiert werden und die Märkte weiter gen Norden treiben wird. Wobei dies sicher nur die eine Seite der Medaille ist, denn die Vergabepraxis des Nadelöhrs „Banksystem“ beginnt sich erst seit Mitte 2010 wieder anzupassen. Das Geschäft der „einjährigern Fristentransformation“ war für viele Banken auch zu attraktiv das Sie sich dem „Risiko“ der „realen Kreditvergabe“ aussetzten wollten. Hier scheint mir eine „Strafsteuer“ mehr als angebracht, da dieses Gebaren zwar „wirtschaftlich“ nachvollziehbar“ ist, allerdings systemisch eine „Sauerei“, denn für 0 % sich das Geld bei der Fed leihen und dafür einfach einjährige Staatsanleihen kaufen…ist auch bei einem Spread von nur 0,5 % mathematisch ein Traum. Das für dieses „risikolose“ Geschäft der Steuerzahler letztendlich wieder gerade steht, sei hier nur kurz erwähnt.

Hier wissen wir- das Spiel wurde sowohl von der Fed und der EZB verlängert. Die EZB hat mal gleich bis  Dez.2014 für Klarheit gesorgt. Und wie die heutigen Auktionen spanischer und italienischer Anleihen zeigen, es wirkt – Die Fristentransformation.

Prognose  durch das Cogito – Kapitalmarktmodell

2010-11 waren im Großen und Ganzen  Jahre des Krafttankens. Die Märkte zeigten eine hartnäckige Resistenz gegen  jegliche   (Schulden-) Krise, welche medial oder von den Ratingagenturen geritten wurde -mit Ausnahme der 6 Tage im August 2011.

Die fundamentalen Indikationen decken mittlerweile das gesamte Jahr 2012 in ihrer positiven Breite ab. Mit Tag heute gehe ich sicher von einer Fortsetzung des Aufschwungs aus. D wird spätestens ab April  2012 die kleine Delle  – welche nur statistisch ist- überwinden  und da die  die größte VW der Welt ihre alte Stärke wieder findet, für einen weiteren Schub  in die zweite Jahreshälfte hinein sorgen.

Ich  habe  ein umgekehrtes  Crashmuster – ähnlich wie 2000 die Märkte noch stiegen, bevor die Blase  platzte, ist die Bewegung der letzten 5 Monate symmetrisch als große langfristige Umkehr zu werten.

Unsere Makroallokation / Aktienquote auch für 2012 zwischen 90 % und 100 %  bleiben wird. Was als unberechnbare Größe mittlerweile für mich dazugekommen ist, sind die unkontrollierten Bewegungen  ausgelöst durch die  Computer-Algos. Mal sehen ob diese zu bändigen sind.

Glaskugeln bleibt spannend

Uwe Paul

Unabhängiger Finanzanalytiker

6 Gedanken zu „Rückschau – bei gesicherter Information – Aus guter Tradition Ausblick 2012“

    1. Vielen Dank für die Nachfrage…:-)

      Die Web-Seite ist tatsächlich nach der letzten Sicherung wohl in den Orkus gegangen.
      Da ich – vor Allem – den Blog in meiner Freizeit betreibe und von Werbemassnahmen bisher absah, bin ich z.Z. am überlegen, wie ich das ganze Ding relaunche.

      Also bitte noch etwas Geduld und danach mehr meinungsbildende Kommentare:-)
      Wie das letzte Jahr gezeigt hat..sind die Kapitalmärkte immer für Überraschungen – ausserhalb rationaler Modellierungen – gut.

      Der Punkt mit meiner Gesundheit ist bei einer chronischen Erkrankung ähnlich wellenförmig wie an den Märkten zu beantworten.

      Ich bin optimistisch und es wird!

    1. Statisch kommt diese Zahl hin…

      ich bevorzuge die dynamische Version in Abhängigkeit zu den zwei anderen großen „Assetklassen“
      Immobilie und Anleihe.

      Hier ergibt sich zur Immobilie eine Unterbewertung von ca. 30 % und die Diskrepanz zum empirischen Mittel bei deutschen Anleihen – liegt bei ca. 100 %.

  1. Alles Gute für 2012, danke für die Prognose, und dieses Jahr Zustimmung zum Inhalt.
    Wegen der Prägnanz zitiere ich aus einem Interview: “ Heute sind die Topmarkenkonzerne stabiler und kreditwürdiger als die Staaten dieser Welt“.
    Ich sehe es genauso. Von daher wird es dieses Jahr eine Flucht in – dividendenstarke – Aktien geben.
    Die zu 90% richtungsweisenden ersten Börsentage des Jahres sind Anlass zur Hoffnung.
    Wohl dem, der jetzt schon investiert ist, und nach eiserner Regel Gewinne auch mal laufen lässt….

    1. Merci, für ihre Zustimmung – und auch Ihnen, wünsche ich das Beste, was 2012 zu bieten hat!

      Und Danke – das Sie den Mut aufbringen zu kommentieren, zu beleuchten und mit ihrem prägnanten Wissen dieses Projekt begleiten!

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