Wider die Theorie ….das Performance – Wunder

Algorithmus oder fundamentale Zusammenhänge ?

Medallion ist selbst in der von Renditen verwöhnten Hedge-Fonds-Branche eine Klasse für sich: Rund 45 Prozent Rendite im Jahr hat der Fonds seit dem Ende der achtziger Jahre nach Angaben des „Wall Street Journal“, das sich auf die Einsicht interner Dokumente beruft, durchschnittlich erzielt. Selbst in der jüngsten Finanzkrise, als viele Hedge-Fonds schwere Verluste erlitten, blieb Medallion profitabel: Das Jahr 2008 schloss er mit einer Rendite von sage und schreibe 80 Prozent ab. Sein letztes Verlustquartal verbuchte er im Jahr 1999.

Das Vermögen seines Gründers James Simons wird auf rund 8 Milliarden Dollar geschätzt. Das Erfolgsrezept dieses sehr diskreten und in der Branche geradezu legendären Fonds ist im Einzelnen nie bekanntgeworden. So viel weiß man aber: Seine Macher sind keine Ökonomen, sondern Mathematiker, Astrophysiker, Raketeningenieure und Statistiker. Sie kennen Interessanteres als Finanztheorie: Sie vermessen die Finanzmärkte.

Medallion ist schon seit dem Jahr 1993 für externe Investoren geschlossen

So ist bekannt, dass Simons überprüfen ließ, ob es Zusammenhänge zwischen der Sonnenaktivität und der Kursentwicklung an den Finanzmärkten auf der Erde gibt. Über das Ergebnis weiß man nichts. Bekannt ist auch, dass Medallion für einen Finanzplatz einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Aktienkursentwicklung identifizierte. Leider war der Zusammenhang nicht eng genug, um systematisch mit Kursgewinnen ausgebeutet zu werden. Es existierten Vermutungen, dass sich die Programme von jenen anderer Fonds wegen der Herkunft ihrer Mitarbeiter unterscheiden. Die Medallion-Algorithmen sind angeblich unter anderem durch die Erfahrungen von Mitarbeitern des Pentagon beeinflusst. Andere Mitarbeiter hatten früher Programme für die Analysen von Fremdsprachen entwickelt.

Der manchmal geäußerte Verdacht, die hohen Renditen seien unrealistisch und könnten nur das Ergebnis eines verbrecherischen Pyramidenspiels à la Madoff sein, ist unbegründet. Medallion ist schon seit dem Jahr 1993 für externe Investoren geschlossen und verwaltet fast nur noch Geld von Mitarbeitern. Auf dieser Basis ließe sich überhaupt kein Pyramidenspiel betreiben. Ursache hierfür war der – auch im Gegensatz zum Pyramidenspiel stehende – Wunsch, den Fonds nicht dauerhaft wachsen zu lassen. Denn sehr große Fonds lassen sich nicht so flexibel steuern wie kleinere. Nach Schätzungen dürfte der Medallion derzeit ein Vermögen von rund 10 Milliarden Dollar verwalten.

Für externe Investoren hat Simons unter dem Dach von Renaissance Technologies zwei andere Fonds eingerichtet, einen auf Aktien spezialisierten (RIEF), den anderen auf Rohstoffe (RIFF) spezialisiert, die allerdings bewusst nicht versuchen, den Medallion zu kopieren. Diese Fonds haben sich denn auch deutlich schlechter entwickelt; Anfang des Jahres wurde sogar erwogen, sie zu schließen.

Das Jahr 2010 läutet für das Unternehmen ohnehin eine Wende ein, denn Simons hat sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen. Einen Teil seines Privatvermögens hat er gespendet; unter anderem in die Erforschung des Autismus, unter dem eine seiner Töchter leidet. Wie sich der Medallion ohne Simons entwickeln wird, ist noch nicht absehbar.

Respekt…oder doch nur eine Black-Box ?

7 Gedanken zu „Wider die Theorie ….das Performance – Wunder“

  1. Zu meiner Freude werden jedenfalls in Europa die Hedgefonds stärker an die Leine genommen.
    Was sind sie denn?
    Allokationen vagabundierenden Großkapitals, die gezielt unter Auslassung aller gesellschaftsrelevanten Normen Gewinn um jeden Preis anzielen, sehr oft empirisch belegt durch den Versuch der Manipulation von Einzelwerten, wie o. dargestellt auch von Währungen u.a.
    Wie auch immer die obige Blackbox funktioniert- Hedgefonds richten Schaden an und gehören weltweit an die Leine…
    wie auch alle sog. „Steueroasen“.
    Lesenswert: Peer Steinbrück:“Unter dem Strich“
    Für alle wirklich erfreulichen Teilnehmer dieses hochstehenden Forums ein spannenden, desillusionierende und weiterbildende Lektüre über die Weihnachstfeiertage.
    Niemand braucht Hedgefonds.
    AG`s brauchen Investoren, um frisches Kaptial außerhalb des Banksektors aufnehmen zu können.
    Volks- und betriebswirtschaftlich sinnvoll.
    Hedgefonds sind es nicht.
    Sie gehören jur. an die Leine.
    Nur zur Erinnerung:
    Unser ganzes System stand auf der Kippe!!!
    Das ist zuviel, um weiterhin exzessivem Marktradikalismus das Wort zu reden.
    Warum nicht endlich – auch regulatorisch –
    auf einen gesellschafts- und systemfreundlichen Kapitalismus eines Warren Buffet umsteuern, der nie eine Firma zerstört hat, und dennoch unvorstellbaren Reichtum – den er stiftet und privat nicht nutzt – geschaffen hat?
    ER verkörpert die sog. „Königsklasse“ der Investition —- und zu meiner empirisch belegten Freude geht die Mehrzahl der Hedgefonds pleite.
    Wenn dann auch noch in einem erforderliche 3. Schritt die sog. „Ratingagenturen“, also selbsternannte „Volksvertreter“ ohne jede Legitimation, an die Leine gelegt werden, könnte das System stabiler werden.
    Nochmals: Peer Steinbrück: „Unter dem Strich“
    unbedingt lesen, es bringt jeden aus unserer wirklich hochstehenden Gemeinschaft wirklich weiter.
    ….und das war der einzige Intellektulle in der großen Koalition unter Merkel….

  2. Ich halte solche Renditen auch für unrealistisch. Da die Möglichkeit des Pyramidensystems ausscheidet, bleibt eigendlich nur noch Insiderhandel im großen Stil übrig, was auch sehr gut zu einem äußerst disketen Fondmanager paßt.Die alternativen und scheinbar geheimen Anlagestrategien könnten auch allein der Ablenkung dienen.
    So etwas über so viele Jahre erfolgreich zu betreiben verdient trotz allem Respekt.

    Schöne Woche, M.Rehr

  3. Für die möglichen anwendbaren Strategien im Finanzsektor ist ein Hedgefonds die Königsklasse der Investitionsmöglichkeiten, da der Manager praktisch alle Register der Finanzbranche ziehen kann. 45 % pro Jahr über Jahrzehnte zeigen der Manager versteht etwas von seinem Geschäft. Ist nur von G. Soros über diese Zeiträume (50%) getoppt worden.

    Die Kehrseite der Medaille zeigt aber auch den Umgang mit hohen Risiken (Wetten auf fallende Werte) und wie man bei Soros sieht die Fragwürdigkeit der Anlage, wenn man zum Beispiel versucht das Pfund zu ruinieren, was aus meiner Sicht gesellschaftlich sehr fragwürdig ist.
    Ein weiteres Risiko ist der jahrelange Erfolg solcher Toppmanager, der die Vorsicht einschläfert und auf mögliche Fehleinschätzungen schlechte Auswirkungen hat. So geschehen bei Soros als er auf das Platzen der IT-Blase zu früh setzte und dabei viele Milliarden mit einen Trade verlor.

    Einen Fonds zu sperren, um die Möglichkeiten flexibler Anlage aufrecht zu erhalten, Wissen zurückzuhalten, um die Strategie nicht kopierbar zu machen, ist eine hervorragende Vorgehensweise der jeweiligen KAG bzw. des Managers, sie schützt die eigentlichen Anleger und zeigt, dass es dem Manager und der KAG nicht nur ums Geld verdienen (Provision) geht, was beide ja mit einem größeren Fonds bekommen würden.

    Hedgefonds als Beimischung können m.A.n. sinnvoll sein. Hier sind Garantien wegen hoher Risiken (z.B. der Einzahlungssumme) sicher nicht immer verkehrt, obwohl ich sonst Garantien oft für Kostenmaximierung halte.

    Also Respekt und kritisches Betrachten.^^

    1. Die Theorie der Beimischung scheint mir überholt…

      Die Lehre aus 2008 war doch eindeutig…der einzig sichere Hafen bleibt bei der Vernetzung der Kapitalmärkte Cash oder short…

      private Equity steht meiner Meinung nach nur „statistisch“ so gut da, weil die „tägliche Bewertung “ durch die Fungibilität fehlt…

      wobei ich wenn , „Ackerland“…strategisch bevorzugen würde.

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